Kurz vor dem Rückrundenstart - Reisinger, Stroot und Kremer im Interview

Interview zum bevorstehenden Rückrundenstart des SV Meppen in der 2.FBL Nord
Interview-Teilnehmer: Maria Reisinger (MR), Tommy Stroot (TS), Andreas Kremer (AK)

Die Frauen des SV Meppen haben eine herausragende Hinrunde gespielt und sich zur Halbzeit mit Platz 2 die Kronprinzenrolle hinter dem Favoriten MSV Duisburg gesichert. Die Winterpause ist mit 14 Tagen kurz ausgefallen, inzwischen befindet sich die Mannschaft bereits wieder in der fünften Woche der Rückrundenvorbereitung. Nach drei Testspielen steht am Sonntag die Generalprobe gegen Borussia Mönchengladbach (2.FBL Süd) auf dem Programm. Am Valentinstag startet die Rückrunde gegen eben jenen MSV Duisburg. In den letzten Tagen hat der Verein nochmal an sportlichen und sportpolitischen Stellschrauben gedreht. Zeit, um mit den Protagonisten ein (Standort-)Gespräch zu führen.

Redaktion: Maria, das letzte Spiel der Hinrunde liegt inzwischen gut sieben Wochen zurück. Mit dem Erfolg gegen Henstedt-Ulzburg habt ihr im Dezember Tabellenplatz 2 gefestigt. Wie fällt – nun mit etwas Abstand betrachtet – Dein Fazit für die Hinrunde aus?

MR: Absolut positiv. Ich kann gar nicht oft genug zum Ausdruck bringen, wie zufrieden und auch stolz ich aktuell drüber bin, was alle Beteiligten innerhalb unserer Abteilung leisten. Wir haben unser Ziel immer vor Augen gehabt, der jetzige Erfolg bestätigt uns in unserem kontinuierlichen Engagement. Wir verlieren dabei sicherlich nicht außer Augen, dass wir hier und da auch das nötige Quäntchen Glück hatten, aber auch das haben wir uns lange erarbeitet.
Wir haben uns mit den (Personal-)Entscheidungen zu Saisonbeginn intensiv auseinandergesetzt und es uns dabei nicht einfach gemacht. Wir haben aber jetzt auch die Erfahrung gemacht, was Vertrauen in eine junge Mannschaft bewirken kann und mit welchem Fleiß und Mut sie dieses Vertrauen vollends rechtfertigen. Auch innerhalb des Trainer- und Funktionsteams haben wir trotz teils unterschiedlicher Auffassungen eine derart konstruktive und vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre, die stets im Sinne der Entwicklung der Mannschaft steht. Das vereinfacht uns die Arbeit und gibt den Mädels die Möglichkeit sich in Ruhe zu entwickeln und ihre Leistungen abzurufen. Das hat die Mannschaft in beindruckender Weise gezeigt.

Redaktion: Wenn man diesen sportlichen Erfolg aufweisen kann, dies aber gerade auch mit einer sehr jungen Truppe (Anm.: Durchschnittsalter ca. 20,5 Jahre), welche Aufgaben und Herausforderungen warten dann auf das Trainer- und Funktionsteam, um Spannung und Konzentration aufrecht zu erhalten?

TS: Wir nehmen die Spielerinnen innerhalb ihres eigenen Anspruchsdenkens in die Pflicht. Es sind nicht (immer) in erster Linie wir Trainer, die sich für die Konzentration und Spannung hauptverantwortlich zeichnen, sondern die Spielerinnen selbst. Trainer- und Funktionsteam nehmen vielmehr eine Beobachterrolle ein und versuchen Auffälligkeiten durch eine zielführende Ansprache, aber auch Veränderungen im Trainingsbetrieb oder der Spielvorbereitung zu beeinflussen, um die Mannschaft in Summe zu fokussieren.

Redaktion: Inzwischen läuft die fünfte Woche der Rückrundenvorbereitung. Wie ist der aktuelle (Fitness-)Zustand der Mannschaft? Sind alle Spielerinnen inzwischen uneingeschränkt wieder an Bord? Wie geht es z.B. Franziska Gieseke, deren Verletzung im letzten Spiel zunächst eine längere Pause vermuten ließ?

TS: Vorweg: Franzi geht es gut. Die Verletzung hat sich dankenswerter Weise nicht als so gravierend herausgestellt, wie zunächst befürchtet. Sie ist zu Beginn der Rückrundenvorbereitung sukzessive wieder in den Trainingsprozess integriert worden und hat im Test gegen Bocholt bereits wieder 90 Spielminuten absolviert. Insgesamt sind wir in punkto Fitness, insbesondere aber auch in punkto Athletik, auf einem so guten Weg, dass ich nun eine Woche vor dem Rückrundenauftakt durchaus zufrieden bin.

Redaktion: Welchen Aufschluss geben Euch die bisherigen Testspiele? Der Auftakt gegen Enschede (Eredivisie Niederlande) ging mit 1-7 verloren (Spielzeit 3x 30 Minuten), anschließend folgte ein 3-0 gegen den West-Regionalligisten Bocholt, zuletzt ein 4-2 Erfolg gegen PEC Zwolle (ebenfalls Eredivisie NL).

MR: Das Spiel gegen Twente hat uns gezeigt, dass sich der Gegner die Niederlage in der Sommervorbereitung sehr zu Herzen genommen hat. Twente war perfekt auf unsere Spielweise eingestellt. Bocholt haben wir neun Tage später mit 3-0 bezwungen, aber auch gesehen, dass wir auf all unseren Positionen konsequent agieren müssen, um Probleme zu vermeiden. Das hat nicht immer funktioniert, aber an diesen Stellschrauben haben wir im Training zielgerichtet arbeiten können, so dass wir uns im Spiel gegen PEC Zwolle noch einmal deutlich verbessert präsentiert haben. Insgeheim hätte ich gedacht/gehofft, dass die Mannschaft in der jetzigen Vorbereitung bereits etwas früher auf den Erfahrungsschatz aus der Hinrunde zurückgegriffen hätte. Es zeigt aber auch noch einmal die Bedeutung des Trainerstabes innerhalb der Vorbereitung auf. Das kommende Spiel gegen Bor. Mönchengladbach ist jetzt ein richtiger Gradmesser für den Auftakt gegen den MSV Duisburg

Redaktion: Ihr habt es angesprochen. Am Sonntag folgt die Generalprobe gegen Bor. Mönchengladbach, die als Aufsteiger in die 2.FBL Süd momentan als Tabellendritter einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Worauf kommt es im letzten Vorbereitungsspiel noch einmal an?

TS: Borussia Mönchengladbach spielt bisher eine herausragende Saison in der 2.FBL Süd. Sie sind auch deshalb ein guter Wegweiser. Für mich zählt in diesem finalen Test auch das Ergebnis und ich gehe davon aus, dass bereits Kleinigkeiten entscheidend sein werden. Entsprechend konzentriert und engagiert müssen wir am Sonntag zu Werke gehen, um uns mit einem guten Ergebnis das Selbstvertrauen für die Rückrunde holen.

Redaktion: Ihr seid kurz vor Ende der Transferfrist noch einmal aktiv geworden und habt – vielleicht auch entgegen bisheriger Gewohnheiten – mit Vildan Kardesler noch eine Spielerin verpflichtet, die trotz ihrer erst 17 Jahre eine interessante Vita vorzuweisen hat. Erzähle uns bitte etwas über Vildan, ihren Werdegang und die perspektivische Einordnung dieser Verpflichtung.

MR: Vildan wird in Kürze ihren 18. Geburtstag feiern. Sie ist relativ spät zum Fußball gekommen, hat sich aber dann in den Reihen des SV Burgsteinfurt im Jungenbereich sehr gut entfaltet, eine Zeit lang ergänzend auch im Nachwuchsbereich von Preußen Münster trainiert. Sie hat alle Juniorinnen-Auswahlteams des DFB durchlaufen und hier aufgrund ihrer Präsenz und Persönlichkeit, ebenso wie in der Westfalenauswahl, einzelne Teams bereits als Mannschaftskapitänin aufs Feld geführt. Das Halbfinale bei der U17-Europameisterschaft 2015 in Island, der Gewinn des Nordic Cups mit der U16 2014 in Schweden oder der Gewinn des Länderpokals mit der U18-Westfalenauswahl im Oktober 2015 gehören zu ihren bisherigen Erfolgen.
Wir haben diese Entwicklungsschritte über Jahre ganz genau beobachtet und stehen dementsprechend mit Vildan und ihrer Familie schon länger in Kontakt. Ich glaube, dass sich unsere Herangehensweise einer stetigen, aber im Gegensatz zu anderen Vereinen auch ruhigen Kommunikation positiv ausgewirkt hat. Vildan weiß zudem um unsere Ausbildungsqualität junger Spielerinnen. Wenn wir uns rückwirkend einmal ansehen, wie viele Spielerinnen wir in den vergangenen Jahren schon bei Auswahlmaßnahmen oder auch offiziellen Spielen der DFB-Juniorinnen unterschiedlicher Altersklassen wiedergesehen haben, ist das schon überragend. Darauf können wir stolz sein, aber auch die Personen und Institutionen, die uns diese Art der Arbeit überhaupt ermöglichen.
Die Trainerteams aller Mannschaften, beginnend mit den C-Juniorinnen, leisten durchweg eine sehr engagierte und erfolgreiche Ausbildungsarbeit. Mir ist es dabei wichtig, dass in allen Bereichen lizenzierte Trainer arbeiten, die sich auch mit unserer Philosophie und Arbeitsweise identifizieren. Unsere regelmäßigen Trainersitzungen, die immer dem Ziel der Weiterentwicklung und der Festigung des „roten Fadens“ dienen, sind ein absolutes MUSS. Davon wird auch Vildan profitieren und es nicht bereuen, sich bei den vielen Anfragen für den SV Meppen entschieden zu haben.

Redaktion: Nicht nur an den sportlichen Stellschrauben wurde noch einmal gedreht, auch hat der Verein diese Woche bekannt gegeben, dass man nach 2015 auch in diesem Jahr die Lizenz für die Allianz-Frauen-Bundesliga zur Saison 2016/17 beantragen wird. Andreas, wie umfangreich ist diese Entscheidung in den Führungsgremien noch diskutiert worden und welchen Stellenwert misst Du als Vereinsvorsitzender dem Frauenfußball beim SV Meppen – vielleicht ja tatsächlich auch einmal als Bundesligist – inzwischen auch für die gesamte Entwicklung und Außendarstellung des Vereins bei?

AK: Die Fragestellung pro/contra einer Bewerbung für die Allianz-Frauen-Bundesliga zur kommenden Spielzeit hat sich uns nicht gestellt. Wie in 2015 herrschte auch jetzt schnell Klarheit über die Frage der Bewerbung, die wir eindeutig mit Ja beantwortet haben. Ein Blick auf das Engagement der Frauen- und Mädchenfußballabteilung und die gezeigten Leistungen auf und abseits des Platzes lassen hier auch gar keine andere Entscheidung zu! Dies möchte ich auch mit Hinblick auf die Frage nach deren Stellenwert für den Verein deutlich machen, denn es ist meine persönliche Überzeugung, aber auch die des Gesamtvorstandes, dass der Frauen- und Mädchenfußball dem SV Meppen in seiner Gesamtheit sehr gut tut und der Vereinsentwicklung dienlich ist. Unsere Gespräche auf der sportlichen, politischen und wirtschaftlichen Ebene in der Region bestätigen uns da sehr, wenn auch ich eingestehen muss, dass wir uns angesichts der Leistungsbereitschaft und des Leistungsvermögens der Frauen- und Mädchenabteilung ein weitaus deutlicheres Engagement der Region/der hiesigen Wirtschaft wünschen würden, um die gute sportliche, aber auch persönliche Entwicklung der Mädchen und jungen Frauen mit noch mehr Qualität zu versehen.
Redaktion: Nächste Woche geht es wieder los: am Sonntag, 14.02.2016 (14h) kommt der Spitzenreiter MSV Duisburg in die Hänsch-Arena. Duisburg hat seinen Kader in der Winterpause auch noch einmal ergänzt und dürfte sich vom Ziel der Meisterschaft (plus Aufstieg) nicht mehr abbringen lassen wollen. Bisher ist das Team von Inka Grings ungeschlagen. Auf was dürfen sich unsere Anhänger am Valentinstag dennoch freuen und wird das Team in der Lage sein, sich als erster Stolperstein für den MSV zu erweisen?

TS: In dieser Saison gab es keinen Gegner, der uns in Meppen einen Klassenunterschied aufgezeigt hat. Auch im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den Allianz-Frauen-Bundesligisten SV Werder Bremen war der Spielausgang lange offen. Sicherlich wird Duisburg eine schwere Aufgabe, aber sie sollen sich in der Hänsch-Arena schon richtig strecken müssen, um gegen uns etwas Zählbares mitzunehmen. Tun sie das nicht, werden wir da sein!
Redaktion: Maria, ihr seid von der Frauenfußballabteilung stets bemüht, auch über Aktionen Zuschauer zu euren Heimspielen zu bewegen. Passend zum Valentinstag wird es eine Aktion „2 für 1“ geben, also zwei Karten zum Preis von einer, damit jeder gerne auch einmal seinen Partner/eine Begleitung mitbringen kann. Wie wichtig sind die Zuschauer auch für die Motivation der Mannschaft?


MR: Immens wichtig. Die Mannschaft nimmt schon wahr, was sich auf den Zuschauerrängen abspielt und fühlt sich bei steigender Zuschauerzahl natürlich in der Ausübung ihres Sports bestätigt. Für mich ist auch unbestritten, dass eine ordentliche Kulisse motivationsfördernd ist. Insbesondere das Spiel gegen Bremen hat gezeigt, wie beflügelnd auch eine aktive Zuschauerrolle sein kann. Unsere Spielweise trägt zudem eigentlich zu einem ansehnlichen Spiel bei und so würde ich mir wünschen, dass wir in diesem Spitzenspiel auf eine für uns stattliche Kulisse zurückgreifen können. Die Mädchen haben es sich allemal verdient.
Wir möchten das regelmäßig durch unterschiedliche Aktionen unterstützen und in diesem Fall bietet sich die Kombination aus Spitzenspiel und Valentinstag ja geradezu an. Der Zuschauerrekord in der 2.FBL Nord der laufenden Saison liegt bei 422 Zuschauern, resultierend aus dem Spiel Cloppenburg gegen Wolfsburg II am ersten Spieltag. Ich möchte hier gerne das Emsland und alle Fußballinteressierten aufrufen, uns dabei zu unterstützen, Duisburg die ersten Punktverluste der laufenden Saison beizubringen und den aktuellen Zuschauerrekord zu übertreffen.