Norderstedt in den Beinen - den HSV vor der Brust

Lecko mio, wat war das ein spannendes Spiel am Sonntag gegen Norderstedt. Jeder, der nicht im Stadion war, hat definitiv etwas verpasst. Aber wartet, wir Journalisten sind ja immer versucht, solche Leistungen hochtrabend zu formulieren. Denkt euch bitte den Akademikerhut, die Pfeife im Mund und die an einer Kette gezogene Brusttaschenuhr sowie Monokel: „Die wettkampfliche Auseinandersetzung mit der Horde Barbaren aus Norderstedt hat mir ein entzückendes Lächeln in mein Gesicht gezaubert“! Son Quatsch, dat heißt: JA, MAN! GEIL! HAMMER!

Im Ernst, ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mich hat unser Team am Sonntag mal wieder begeistert. Gerade nach dem 1:3 in Drochtersen/Assel herrschte eine Grundstimmung, die es wohl nur auf der HSV-Geschäftstelle gibt an Relegationsspieltagen gibt. Aber das Team von Christian Neidhart, der nochmals wegen seiner Sperre auf der Tribüne platznehmen musste, kämpfte sich aus dieser Situation selbst frei. Das Mittelmaß drohte, doch der SV Meppen wehrte sich. Und die Betonung liegt hierbei auf Kampf. Ich weiß nicht, was mit den Norderstedter Spielern los war, aber isotonische Getränke waren es in der Kabine nicht. Eher ein Liter Schweineblut für jeden, würde ich vermuten. Sie traten auf alles, was Blau gekleidet war an dem Tag. Gut, dass ich die Würstchenverkäuferin vorher gewarnt hatte, die trug komplett Blau. Ja, eine gute Tat am Tag, Pfadfinderkodex. 7 gelbe Karten für den Gast sprechen da eine eindeutige Sprache. Und dazu immer wieder dieses Provozieren der Spieler. Egal wen, an diesem Tage wurden einfach alle provoziert. Der Schauspielerpreis ging eindeutig an die Mannschaft von Norderstedt. Aber soll ich ihnen mal was sagen? Ich fands super – endlich war mal wieder richtig leben in der Bude. Und auch die Spieler, mit denen ich gesprochen habe, waren sich einig: Solche Spiele machen Spaß, wenn denn dann unterm Strich auch der Dreier bei rumkommt. Und den hat sich das Team um Christian Neidhart redlich verdient. Und vergessen wir nicht das Traumtor unseres kirgisischen Road Runners Viktor Maier, der Ole Springer im Tor hat aussehen lassen wie Wile E. Coyote in der Comicserie. Mal eben den Turbo angezogen, Blick nach oben und zack – mal eben drüber hergelupft, aus gefühlten 400 Metern. Mit einem solch feinen Füßchen, dass man denken könnte, Maier würde kleinste Uhrmachertätigkeiten mit diesem filigranen Werkzeug ausüben können.

So, Sonntag, 15 Uhr. HSV! Man, was habe ich mich schon auf diesen Vorbericht gefreut. Ich habe mir alles zurechtgelegt. Wortspiele mit Rucksack, oder Stadionuhr, Wortspiele mit Relegation oder einfach nur diesen hier: Ein junges Pärchen liegt zusammen im Bett. Fragt sie: „Schatz, würdest du mich nochmal heiraten?“ Sagt er: „Ich würde dich oft wieder heiraten“! Fragt sie: „Wie oft denn?“. Seine Antwort: „So oft wie der HSV noch in die Relegation muss“! Sie bricht in Freudentränen aus und mit weinerlicher Stimme sagt sie: „Schatz, du bist soooo romantisch“!

Ja, ich hätte noch einige. Aber da habe ich mir gedacht: Warum auf ein Team draufhauen, dass mit der ganzen Misere gar nichts zu tun hat. Im Gegenteil. Ich hatte in der letzten Saison das Gefühl, dass die Amateure des HSV auf dem Weg waren, das sportliche Aushängeschild des Vereins zu werden. Bis man ihnen Trainer Joe Zinnbauer weggenommen hat. Dieser hatte mit seiner Mannschaft die Regionalliga dominiert und in zehn Spielen gefühlt 100 Mal gewonnen, und das jedes Mal mit 23 Toren Unterschied. Bis er dann in die 1. Mannschaft absteigen musste. Wir haben alle seinen Weg verfolgt und ich denke, ich spreche da für viele Fußballfans, wenn ich sage, dass er nicht für das ganze Chaos verantwortlich war. Ich meine, wirklich beurteilen können wir das alle nicht, aber so war mein Bauchgefühl.  In dieser Situation hätte nur einer dem HSV helfen können – Gott! Aber ob es ihn wirklich gibt, kann ich als Schalker auch nicht sagen.

Jetzt ist Zinnbauer wieder bei den Amateuren des HSV, und wahrscheinlich auch gut so, denn der Rummel um seine Person war schon heftig. Und wenn ich mir ein Spiel wie das von unserem SV Meppen gegen Eintracht Norderstedt angucke, dann kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die Regionalliga auch keine Kneipenliga ist. Der HSV ist nicht gut in diese Saison gekommen. Mit acht Punkten aus acht Spielen, belegen die Elbstädter momentan den 13. Rang in der Tabelle. Für die Ansprüche natürlich zu wenig. Gerade so eine Heimspielniederlage vom vergangenen Wochenende gegen VfV Hildesheim (1:2) tut da natürlich weh.

Aber der SV Meppen dürfte gewarnt sein. Der HSV ist gespickt mit jungen, gut ausgebildeten Spielern, die immer in der Lage sind, sich in einen Rausch zu spielen. Und dann kann es für jede Mannschaft in dieser Liga hart werden.

Der SVM befindet sich momentan in der Matrix der Liga. Es kann hoch gehen, es kann runtergehen. Mit 14 Punkten belegt man den fünften Platz. Tabellenführer ist momentan der VfB Oldenburg mit 19 Punkten, Meppen hat ein Spiel weniger. Nach oben ist der Weg also kurz, aber das Gefährlich daran ist, dass der Weg nach unten genauso kurz ist. Hinter dem SVM lauern drei Mannschaften mit 13 Punkten. Es wird spannend. (Text: Hardy Kloßek)