SV Meppen - 1. FC Köln - der Rückblick auf diesen tollen Tag

Vor 13.815 Zuschauern in der Hänsch-Arena verlor der SV Meppen in einem interessanten Spiel mit 0:4 gegen den Bundesligisten 1. FC Köln in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals. Dabei überragte ein Mann - der von Hoffenheim gekommene Franzose Anthony Modeste erzielte in seinem ersten Pflichtspiel für den 1. FC Köln drei Tore - bitte für den SV Meppen.
Wochenlang bereitete man sich im Emsland auf diese Partie vor. Drei Tage vor dem Spiel dann die beste Nachricht: AUSVERKAUFT! Hütte voll! Zu diesem Zeitpunkt ahnte wohl noch niemand, dass das Spiel von einem Mann frühzeitig entschieden werden würde - Schiri Christian Dietz. 

Nicht nur die gesamte Lokalprominenz war vertreten an diesem Tage, sondern auch echte Legenden, wie Toni Schumacher, der auch heute noch, 27 Jahre nach seinem Spruch, dass er "nie in Meppen spielen" werde, davon überzeugt ist, durch diesen Satz den Tourismus im Emsland angekurbelt zu haben. Sehr gewagte Theorie. Schumacher traf an diesem Tag auf einen Menschen, der den Spruch damals nicht ganz so witzig fand. Hans Többe rüstete kurzerhand einen seiner LKW um und spannte eine Plane mit der Aufschrift "Das Fußballerlebnis SV Meppen - 2. Bundesliga" auf den Auflieger, um den LKW dann vor Toni Schumachers Haus zu parken. Das war 1988, am Samstag trafen die beiden nun erstmals aufeinander und es kam zu einem lockeren Gespräch, in dem Schumacher nochmal betonte, dass er die Aktion auch damals schon sehr kreativ und lustig fand. Hans Többe freute sich ebenfalls mit Schumacher seinen Coup besprechen zu können. Selbst 27 Jahre danach erinnert man sich gerne an diese tolle Fußballgeschichte. 

Die Meppener Fans empfingen ihr Team mit einer tollen Choreografie. Über ihren Stehplatzbereich, in dem sie bei jedem Heimspiel zahlreich zu finden sind, spannten sie ein großes Banner mit der Aufschrift: Wie schon vor 2000 Jahren - Wir stellen uns jeder Übermacht - Ampsivarier! Über der Aufschrift waren furchtlose germanische Krieger zu sehen. Eine toll inszenierte Anspielung auf den germanischen Stamm von der Ems, der im Jahr 9 v.Chr. bei der sogenannten Varusschlacht bei Kalkriese (Bramsche) dabei half, dem römischen Feldherrn Varus, mit seinem übermächtig erscheinenden Heer, eine herbe Niederlage zu bescheren. Wieder einmal zeigten die SVM-Fans, dass sie zu den Kreativsten in der Szene gehören. Trainer Neidhart beschrieb den Empfang durch die Fans hinterher mit dem Wort "Gänsehaut". Überragende Aktion der Fans. Apropros - an dieser Stelle gerne erwähnt, dass es während des gesamten Tages zu keinen nennenswerten Zwischenfällen gekommen ist. Meppener, wie Kölner Fans, zelebrierten diesen DFB-Pokal-Tag friedlich.
Spielbericht von Sky!
Alles war angerichtet in Meppen. Es konnte losgehen! Vielen Menschen rundum den Verein steckten noch die tagelange Arbeit in den Knochen, das sollte sich um Punkt 15:30 Uhr lösen - Anpfiff. Doch bereits nach 46 Sekunden der erste Schock für die Hausherren und seinen Anhang. Langer Ball von Dominique Heintz, Neuzugang beim 1. FC Köln, in den Strafraum der Meppener. Geiger und Wigger in der Innenverteidigung verließen sich auf Torhüter Benni Gommert, der die Kugel hätte aufnehmen können. Doch Gommert zögert, kommt nicht raus. Ist es der Respekt vor dem heransstürmenden Millionenmann Anthony Modeste? Gommert wie gelähmt und Modeste macht das, wofür ihn die Kölner aus Hoffenheim geholt haben - er trifft mit dem linken Fuß zum 0:1 für die Gäste. In der Folge fängt sich die Neidhart-Truppe. Systemtreu stehen sie im Abwehrverbund und leidenschaftlich gehen sie im Mittelfeld in die Zweikämpfe. Ein gutes Spiel einer guten emsländischen Truppe. Bis zur 26 Minute, in der alle Hoffnungen und Träume des SV Meppen begraben werden sollte. Pawel Olkowski, der kurz zuvor Sebastian Schepers übel von den Beinen berserkt hat und dafür nur die gelbe Karte sah, bekommt einen langen Ball in den 16er der Meppener. Olkowski ist vor dem herausstürmenden Gommert am Ball, um einen kontrollierten Abschluss mit dem linken Fuß zu machen, doch sein Schuss geht über das Gehäuse von Gommert. Abstoß Meppen, eigentlich. Wenn da nicht Schiedsrichter Christian Dietz ein Foulspiel an Olkowski gesehen hätte. Zur Verwunderung aller pfeift Dietz und zeigt auf den Elfmeterpunkt. Fragende Gesichter im weiten Rund. Die TV-Bilder lösten hinterher auf, dass Gommert Olkowski nach der Chance getroffen hat, daran gibt es keinen Zweifel. Aber Elfmeter? Doch Schiri Dietz sollte noch eine Überraschung in seiner Hosentasche haben. Nach einigen Sekunden der Verwirrung zückte er die Rote Karte und schickte den Unglücksraben Benni Gommert vorzeitig zum Duschen. Damit war die Überraschung komplett. Auch Trainer Christian Neidhart war perplex und drückte dieses wohl auch aus, Schiri Dietz verwies Neidhart nach seinen Protesten auf die Tribüne. Mirco Born, der sich nichts hat zu Schulden kommen lassen, musste für den Ersatztorwart Lars Huxsohl weichen. Huxsohl, 19-jähriges Talent in den Reihen der Meppener. Zum Elfmeter trat Anthony Modeste an, der sein zweites Tor für seinen neuen Arbeitgeber erzielen wollte. Huxsohl ahnt die Ecke, ist dran, kann aber den Treffer nicht verhindern. So steht es nach knapp einer halben Stunde bereits 0:2 und zudem muss der SV Meppen mit einem Mann weniger gegen einen Bundesligisten bestehen - unlösbar. Dennoch kämpften die Gastgeber heroisch und erst in der 80. Minute ließen sie einen weiteren Treffer der Kölner zu. Modeste schnürte einen Dreierpack. In der 88. Minute durfte sich dann auch noch der eingewechselte Simon Zoller in die Torschützenliste eintragen, damit war die 0:4-Niederlage besiegelt. Trotz der Niederlage gibt es einige positive Bemerkungen zu dem Spiel aus Meppener Sicht. Zum Beispiel Lars Huxsohl. Nach seiner Einwechslung war er ein Garant dafür, dass Köln in Überzahl 50 Minuten brauchte, um ein weiteres Tor zu erzielen. Lars Huxsohl spielte nicht, als wäre es sein erster DFB-Pokaleinsatz, sondern sein 50., so cool und relaxt ging er die Sache an. Da waren auch noch die fantastischen Fans, die es sich nicht nehmen ließen trotz dieser widrigen Umstände weiterhin Gas zu geben und ihr Team anzufeuern. Und dann war da noch die gesamte Meppener Truppe, denen man ein großes Kompliment aussprechen muss, denn Aufgeben gab es nicht. Diese Truppe macht wirklich Spaß.
So endete die Partie mit 0:4, aber wie diese Niederlage zustande gekommen war, ist aus Meppener Sicht wirklich ärgerlich. Köln-Coach Stöger und SVM-Trainer Neidhart waren bei der Bewertung der spielentscheidenden Szene auch nicht einer Meinung - logischerweise. Neidhart war ein wenig angefressen, ob dieser Tatsache und er ärgerte sich über sich selbst, weil er kurzzeitig die Kontrolle verloren hatte und den Rest des Spiels auf der Tribüne verbringen musste. Aber wer kann ihm das verübeln? Niemand. Damit ging ein fantastischer Tag in der Hänsch-Arena zu Ende. Ein Tag, an den man sich erinnern wird. Ein Tag im DFB-Pokal. Sonntag heißt der Ligaalltag dann wieder VfL Wolfsburg II - im Übrigen auch ein Spitzenspiel. Und es wäre toll, Sie wiederzusehen im Stadion. Diese Truppe hat es verdient.
Spielbericht in der ARD-Sportschau