Stellungnahme - Drittligisten sehen Aktionismus bei Regionalliga-Reform als Gefahr

Kallnik (Magdeburg) warnt vor Aktionismus des DFB

Drittligisten sehen Aktionismus bei Regionalliga-Reform als Gefahr


Der Vorstoß des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bezüglich der Aufstiegsregelung in der Regionalliga sorgt bei den Drittligisten für Unmut. Die Vereinsvertreter warnen daher ausdrücklich vor schnellen und damit übereilten Entscheidungen. Mario Kallnik, Geschäftsführer des 1. FC Magdeburg, warnt vor Aktionismus und erhält Zustimmung von weiteren Drittligisten. ??„Meister sollten direkt aufsteigen, das sehen auch die Drittligisten so“, sagt Mario Kallnik. Der FCM-Geschäftsführer fungiert unter anderem mit Fortuna Kölns Geschäftsführer Michael Schwetje und Ronald Maul, Geschäftsführer beim SV Meppen, als Vereinsvertreter der 3. Liga und stört sich an bestimmten Vorschlägen, die der DFB im Zusammenhang mit einer Aufstiegs-Reform ins Gespräch gebracht hat und scheinbar präferiert. ??

DFB-Präsident Reinhard Grindel hatte überraschend in Aussicht gestellt, dass möglicherweise noch in diesem Jahr eine Lösung gefunden wird, damit zukünftig mehr Meister der Regionalligen direkt aufsteigen können. Momentan machen die Tabellenersten der Regionalligen Nord, Nordost, West, Südwest, Bayern sowie der Zweite der Südwest-Staffel am Saisonende in einer Relegation drei Aufsteiger in die 3. Liga untereinander aus. Das ist aber eine Variante, an der sich Verantwortliche und Fans stören, weil einige Staffel-Meister Jahr für Jahr auf der Strecke bleiben und in zwei Spielen über eine ganze Saison entschieden wird. ?Der SV Meppen weiß genau, wie sich diese Spiele anfühlen, im Sommer musste der Verein gegen Waldhof Mannheim in der Relegation ran und setzte sich im Rückspiel im Elfmeterschießen durch. Für Mannheim war es besonders tragisch, scheiterte Waldhof doch bereits im Vorjahr in der Relegation. „Es kann eigentlich nicht sein, dass an diesen zwei Spielen so viel hängt“, sagt Maul. „Dass die meisten Vereine für eine Reform sind, ist deshalb nachvollziehbar.“ ?  ?


Die DFB-Spitze präferiert offenbar ein Modell, welches die Meister der Regionalligen West und Südwest direkt aufsteigen lässt. Die anderen drei Meister der Regionalligen Nord, Nordost und Bayern sollen demnach abwechselnd einen direkten Aufsteiger stellen, wobei die beiden anderen Meister wiederum in Relegationsspielen den dann vierten Aufsteiger ausspielen.

„Dieses Modell würde die Problematik von Relegationsspielen definitiv nicht lösen und stellt zwei Regionalligen deutlich über die Anderen. Insbesondere für den Fußballverband Nordost wäre das eine krachende Ohrfeige,"  kritisiert Kallnik. "In den vergangenen acht Jahren sind insgesamt sieben Vereine aus dem Nordosten in die Dritte Liga aufgestiegen. Davon sogar vier Mannschaften in den letzten fünf Jahren per Relegationsspiele“, so Kallnik weiter. Bei dem Vorschlag der DFB-Spitze fehlt Kallnik jeglicher Mut, die Struktur der Regionalligen generell neu zu bewerten und entsprechend zu ändern. ??Die Drittligisten seien für einen Kompromiss offen. "Grundsätzlich möchte die Drittliga das es bei drei Absteigern bleibt. Die Probleme der offensichtlich nicht funktionierenden Regionalliga dürfen nicht ausschließlich auf Kosten der funktionierenden Struktur der 3.Liga behoben werden. Sicherlich könnten wir uns einen Kompromiss  hinsichtlich von vier Absteigern vorstellen. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass in den Regionalligen einer qualitative Analyse folgend neue Strukturen geschaffen werden“, betont Mario Kallnik. Kölns Schwetje ergänzend dazu: „Wir müssen an den Kern des Problems heran und das ist die Struktur der Regionalligen. Wenn diese klar ist, können wir über die Zusammensetzung sprechen.“

Ein diskutierter Lösungsansatz der Drittligisten ist eine Reduzierung auf vier Regionalligastaffeln, dann könnten alle Meister direkt aufsteigen. Der DFB schließt diese Variante allerdings momentan noch aus. ??Dem FCM-Geschäftsführer ist insbesondere die Regionalliga Bayern dabei ein Dorn im Auge: „Es wird darüber gesprochen, dass in einem solchen Fall die Nord- und Nordost-Staffeln zusammengelegt bzw. die NOFV-Regionalliga aufgeteilt und dem Norden und Bayern zugeordnet werden können. Die Regionalliga Bayern scheint hingegen in Stein gemeißelt. Dabei gibt es im Vergleich der Regionalliga Bayern zu den anderen Regionalligen offenbar viel weniger Vereine mit den entsprechenden Strukturen für Profifußball als in anderen Regionalligen“, so Kallnik. ?

Eine neue, aber nicht minder interessante Variante mit zwei vom DFB geführten Staffeln einer 4.Liga und  darunter sechs Regionalligen wurde bei der NOFV-Tagung in der vergangenen Woche diskutiert. Beachtlich dabei, dass diesem Vorschlag neben den vollständig anwesenden Drittligavertreteren auch von der überwiegenden Mehrheit der anwesenden Regionalligisten zugestimmt wurde. „Das Grundproblem ist, dass aktuell bewusst oder unbewusst der Eindruck erweckt wird, dass es sehr schnell gehen muss. Allerdings sollten wichtige Reformen für den deutschen Fußball mit Perspektive untersetzt sein“, so Kallnik. ???Meppens Geschäftsführer Maul würde bedauern, wenn es eine Reform gäbe, die möglicherweise bald wieder reformiert werden müsse. „Wir haben jetzt zum wiederholten Male die große Chance, etwas wirklich zu verändern. Der falsche Weg ist, sich erneut wieder auf eine Lösung einzulassen, die das Problem nicht grundsätzlich angeht und behebt.“, sagt er.

Auch Schwetje befürchtet, dass die Diskussionen bei einer nicht sonderlich ausgereiften Reform in ein bis zwei Jahren wieder losgehen werden. „Die vorgestellten Reformvorschläge sind leider primär sportpolitisch motiviert. Das Modell „vier aus fünf“ ist nicht zu Ende gedacht und daher auch nicht nachhaltig. Es wird immer wieder zu Diskussionen kommen, wenn man das in der Struktur der Regionalligen liegende Problem nicht an der Wurzel anpackt.“